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Pilotprojekt: Der VSD© - Vorsorgedialog in OÖ sehr erfolgreich durchgeführt!

Kooperation der Altenbetreuungsschule des Landes OÖ mit dem Landesverband Hospiz OÖ und dem Zentrum Pflege und Betreuung Traun

Arbeitsgruppe Palliative care vom Zentrum Pflege und Betreuung Traun

 

Am 16.11.2018 fand im OÖ Kulturquartier in Linz, der 7. Rotkreuz Hospiz- und Palliativtag statt. In diesem feierlichen Rahmen erhielten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Palliative care vom Zentrum Pflege und Betreuung Traun, Ihre Heimleiterin Mag. Beatrix Kloiber B.A. und ihr Leiter des Pflege- und Betreuungsdienstes Stefan Umbauer, ihre Urkunde für das Pilotprojekt VSD© verliehen.

Diese Auszeichnung wurde von Frau Dr. Christina Grebe, Vorstandsvorsitzende Landesverband Hospiz und von Frau Mag. Wilma Steinbacher-Mittermeir, Direktorin der Altenbetreuungsschule des Landes OÖ, überreicht.

Dieses Pilotprojekt wurde von der Altenbetreuungsschule des Landes OÖ als Veranstalter, in Kooperation mit dem Landesverband Hospiz und Referentin Frau DDr. Wöger Sabine MMMSc, MEd mit dem Zentrum für Pflege und Betreuung Traun von April 2017 bis November 2018 durchgeführt.

Wir gratulieren den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihren Leitungen vom Zentrum für Pflege und Betreuung Traun sehr herzlich zu dieser Auszeichnung!

Ohne ihr Engagement, ihr Durchhaltevermögen, ihren Pioniergeist und ihren Weitblick, wäre dieses Pilotprojekt, das allen Beteiligten einiges abverlangt hat, nicht zustande gekommen. Durch dieses Pilotprojekt wurde der Weg für andere Einrichtungen im Langzeitpflegebereich in OÖ für den VSD© vorbereitet.

 

   

 

Der VSD© - Vorsorgedialog im geriatrischen Langzeitpflegebereich

 

Der Vorsorgedialog® (VSD) ist ein strukturiertes, in definierten Zeitabständen wiederholt geführtes Gespräch, welches auf Wunsch der Heimbewohner/-innen durchgeführt wird. Gesprächsteilnehmende sind der/die Bewohner/-in, das betreuende und hierfür eigens geschulte Betreuungs- und Pflegepersonal, die Ärztin/der Arzt, Angehörige, Vertrauenspersonen bzw. gesetzliche Vertreter/-innen der Bewohner/-innen. Sofern ein/-e Heimbewohner/-in zum Gesprächszeitpunkt urteilsfähig ist, entspricht der VSD einer beachtlichen Patientenverfügung. Im § 239 (2) des Erwachsenenschutzgesetzes i. d. Fassung vom 25.04.2017 findet der VSD seine Verankerung1. Entwickelt wurde der VSD unter der Leitung des Dachverbandes Hospiz Österreich. In Oberösterreich wird dieses Projekt in Kooperation mit der Altenbetreuungsschule des Landes OÖ und des Landesverbandes Hospiz OÖ durchgeführt.

 

Ausgangslage

Innerhalb von Teams in geriatrischen Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen führen zuvor verbal deklarierte Willenserfassungen von Bewohner/-innen dann zu moralischem Stress und Dissonanzen, wenn diese beispielsweise situativ fragwürdig erscheinen, gar nicht bzw. seit längerem nicht hinterfragt wurden, sich die Personen in einer fortgeschrittenen Phase einer Demenzerkrankung befinden, bzw. wenn die Erkrankten nicht mehr einsichtsfähig sind. Beispielshaft ist die Frage nach der Entscheidung, ob und zu welchem Zeitpunkt die Durchführung einer parenteralen Ernährungstherapie erfolgen soll. Dies erfordert eine Abwägung zwischen subjektiver Belastung und Nutzen für die Betroffenen. Die medizinethische und juristische Komplexität von vielfach krisenhaften und prekären Lebenssituationen erfordert eine verlässliche Informationsgrundlage über verbale bzw. nonverbale Willensbekundungen, eingebettet in eine EDV-gestützte und rasch zugängliche Dokumentation2.

Inhalte

Im Anschluss an die Erhebung des Ist-Zustandes seitens der Bewohner/-innen und Gesprächsteilnehmenden, werden Willensäußerungen zu einem guten Leben und würdigen Sterben erfasst. Diese beziehen sich sowohl auf psycho-soziale und spirituelle, medizinische, betreuerische und pflegerische Interventionen, wie auch auf den Sterbeprozess und auf Wünsche, die die Zeit nach dem Ableben betreffen. Jene Willensbekundungen, welche im Krisenfall den herbeigerufenen (Not)ärzt/-innen vorgelegt werden, werden im sogenannten „Krisenblatt“ kurz und aussagekräftig festgehalten.    

Ziele

Das prioritäre Ziel liegt in einer umfassenden Willensdarlegung der Bewohner/-innen. Im Krisenfall sollen Betreuungs- und Pflegepersonen und (Not)ärzt/-innen auf Basis einer kompetenten und präzise dokumentierten Entscheidungsgrundlage im Sinn der Bewohner/-innen handeln können. Bei eingeschränkter bzw. fehlender Einsichts- und Urteilsfähigkeit soll der mutmaßliche Wille der Bewohner/-innen möglichst authentisch erfasst werden.

Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Kommunikationsprozesse innerhalb wie auch zwischen allen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Willensäußerungen, die auf Basis von umfassender Information und somit selbstbestimmt erfolgen, werden beim VSD im richtigen Augenblick der richtigen Person vorgelegt und beachtet. 

Die Wurzeln des VSD liegen im Advance Care Planning (ACP), zu Deutsch „Gesundheitliche Vorausplanung“ 3. (siehe Anhang Literaturliste)

 

Foto: Christina Grebe, im Gespräch

Voraussetzungen für eine Implementierung

Eine vertiefende Befassung mit Hospiz- und Palliativkultur in der geriatrischen Pflege- und Betreuungseinrichtung, eingebettet in einen Organisationsentwicklungsprozess, ist Voraussetzung für die Durchführung des Projektes VSD. Es sind Kriterien seitens des Dachverbandes Hospiz Ö und des Landesverbandes Hospiz OÖ zu erfüllen. Es braucht die Zustimmung der Geschäftsführenden/Leitenden der jeweiligen Einrichtungen. Die Hausärzt/-innen von über 50% der BewohnerInnen müssen der Mitwirkung am Projekt im Vorfeld zustimmen. Weiters müssen mindestens 75 % der Betreuungs- und Pflegepersonen in der Einrichtung innerhalb der letzten drei Jahre eine eintägige Grundschulung über Palliative Care absolviert haben. Bei Nichterfüllung entsprechender Voraussetzungen werden adaptive Schulungsmaßnahmen empfohlen und von der Altenbetreuungsschule des Landes OÖ angeboten. Die Prüfung entsprechender Kriterien erfolgt durch Personen, welche vom Landesverband Hospiz OÖ hierfür beauftragt sind.

Ablauf der Implementierung

Nach einer Informationsveranstaltung, zu der alle Mitarbeiter/innen des Hauses, ebenso die Mediziner/-innen eingeladen sind, werden Moderationsschulungen im Umfang von 3 x 3 Stunden (4 UE) durchgeführt. Nach Führen der ersten Vorsorgedialoge treffen sich die Moderator/-innen zur Evaluierung der Gesprächsprozesse.

Unterstützende Angebote

Palliativmediziner/-innen des Landesverbandes Hospiz OÖ unterstützen bei Bedarf die Hausärzt/-innen in der Anfangsphase beim Vorsorgedialog.

Bei ethisch herausfordernden Fragestellungen kann eine Ethische Fallberatung in Anspruch genommen werden. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Homepage des Landesverbandes Hospiz OÖ unter URL: https://www.hospiz-ooe.at/geriatrische-langzeitpflege/ethische-fallberatung/ 

 

Pilotprojekt VSD im Zentrum Betreuung und Pflege in Traun

Begonnen wurde das VSD Pilotprojekt im April 2017, Veranstalter war die Altenbetreuungsschule des Landes OÖ in Kooperation mit dem LV Hospiz OÖ und Referentin Frau Sabine Wöger (siehe Anhang). Rückblickend auf die VSD-Pilotierung im Zentrum Betreuung und Pflege Traun kann Folgendes gesagt werden: Der Zeitaufwand für die Organisation und Durchführung der VSD-Gespräche beträgt pro Bewohner/-in zwischen 2 bis 4 Stunden. Ärzt/-innen waren aufgrund knapper Zeitressourcen nicht während des ganzen Gespräches anwesend bzw. besprachen medizinisch relevante Belange mit den Bewohner/-innen im Rahmen einer Visite. Die Gesprächsprozesse verliefen durchwegs positiv. Die Bewohner/-innen und deren An- bzw. Zugehörige fühlten sich umfassend informiert und erlebten eine einfühlsame Kommunikation. Dem Anspruch auf Mitsprache von Heimbewohner/-innen im Hinblick auf Alter, Krankheit, Sterben und Tod gerecht zu werden, bestärkt das Tun der Betreuenden. Zudem erfährt das Team auch Entlastung durch eine eindeutige und nachvollziehbare Willensbildung und -erklärung.

 

Erfahrungen vom Zentrum Betreuung und Pflege Traun:

Foto: Team Traun

 

Leiter des Betreuungs- und Pflegedienstes DGKP Stefan Umbauer:

Wir beschäftigen uns im Haus seit Beginn 2014 mit Hospiz- und Palliativkultur. Jede/-r Mitarbeiter/-in absolvierte eine eintägige Grundschulung (über Palliativkultur) und seit Frühjahr 2014 gibt es bei uns im Haus eine Arbeitsgruppe Palliative Care.

Die praxisnahe Auseinandersetzung mit menschlichen Werten, die Bereitschaft und Fähigkeit der Mitarbeiter/-innen, die Begleitung und Betreuung unserer Bewohner/-innen zugunsten ihrer Lebensqualität auszurichten, sind meines Erachtens ganz wichtige Voraussetzungen für die Implementierung des Vorsorgedialoges.

 

Leiterin Mag. Beatrix Kloiber B.A.:

Seit der Einführung des VSD setzt sich das gesamte Team noch mehr mit dem Thema Sterbebegleitung, Autonomie und der Würde unserer Bewohner/-innen auseinander. Es ist als Führung ein beruhigendes Gefühl zu sehen, dass unsere Bewohner/-innen nicht alleine den letzten Weg gehen müssen und ihr Willen bzw. Bedürfnisse berücksichtigt werden. Der zeitliche und organisatorische Aufwand für die Durchführung des VSD ist groß und stellt eine Herausforderung an das Team dar, da keine zusätzlichen personellen Ressourcen vorhanden sind. (Terminkoordination aller Beteiligten; die Durchführung ist immer tagesabhängig von Bewohner/-in; Mediziner führen VSD meist im Rahmen der Visite durch....)!

 

Foto:  Leitungen Traun

 

Leitungsteam Zentrum Betreuung und Pflege Traun:

Ein großes „Danke schön“ an alle Kollegen/-innen für das Mittragen des Hospizgedankens im ganzen Team und der Bereitschaft, der ARGE-Palliativ, die zeitlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Ein besonderer Dank gilt dem ARGE Team für das tatkräftige Mitwirken, den Ideen und professionellen Umsetzungen! Herzlichen Dank für das Ermöglichen und die Unterstützung geht an Sabine Wöger, Michaela Amerstorfer und Christina Grebe!

 

Fazit und Ausblick

Wir sehen den Vorsorgedialog als wertvolles Instrument zur Stärkung der Autonomie der Menschen am Lebensende, darüber hinaus wird die klare Kommunikation über die Wünsche und den Willen zu einer Verbesserung der Betreuung und Pflege der Bewohner/-innen am Lebensende und Ihrer Angehörigen führen.

Für Einrichtungen die den VSD eingeführt haben, besteht die Möglichkeit der Zertifizierung durch den Landesverband Hospiz OÖ. Die Kriterien für die Zertifizierung sind derzeit in der Erarbeitungsphase. Ab 2019 ist das Ansuchen um eine Zertifizierung beim LV Hospiz OÖ möglich.

Information und Kontakt

Falls Sie in Ihrer Einrichtung am Vorsorgedialog oder an Grundschulungen in Palliativ care interessiert sind, wenden Sie sich bitte an:

Landesverband Hospiz Oberösterreich, Email: lvhospizooe@gmx.at, 004369917347024

DDrin Sabine Wöger, MMMSc, MEd: Schulung, sabine.woeger@gmail.com / 0664/81297144

Altenbetreuungsschule des Landes OÖ, Michaela Amerstorfer,   michaela.amerstorfer@ooe.gv.at 0732/7720/34720.

Autorin: DDrin Sabine Wöger, MMMSc, MEd, Gesundheitswissenschaft, Tiefenpsychologie/Psychotherapie, Palliative Care

Foto: Sabine Wöger, Portrait

Literatur

1 Coors, M., Jox, R. J. & in der Schmitten, J. (2015). Advance Care Planning: eine Einführung. In M. Coors, R. J.  Jox & J. in der Schmitten (Hrsg.), Advance Care Planning. Von der Patientenverfügung zur gesundheitlichen Vorausplanung (S. 11-22).

2 Riedel, A. (2015). Wirkungslosigkeit von Patientenverfügungen in der stationären Altenpflege – Einflussfaktoren und Postulate. In M. Coors, R. J.  Jox & J. in der Schmitten (Hrsg.), Advance Care Planning. Von der Patientenverfügung zur gesundheitlichen Vorausplanung (S. 62-74). Stuttgart: Kohlhammer.

3 RIS-Dokument: Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich. 2. Erwachsenenschutz-Gesetz in der Fassung vom 25. April 2017- Verfügbar unter URL https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2017_I_59/BGBLA_2017_I_59.html [04-06-17 / 15.00].

 

Dieser Artikel ist auch in der Zeitschrift "Aktuell" der ARGE Arbeitsgemeinschaft der Alten- und Pflegeheime Oberösterreich, Ausgabe Nr. 116 und Nr. 117 erschienen, www.altenheime.org

 

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